Jürgen Todenhöfer via Facebook: US-GEHEIMDIENST DECKT AUF: DER WESTEN WOLLTE EINEN ISLAMISTISCHEN TERRORSTAAT

Link zur Textquelle: https://www.facebook.com/JuergenTodenhoefer/posts/10152989068450838?fref=nf

Liebe Freunde, laut US-Geheimdienst DIA wusste die Regierung Obama spätestens seit August 2012, dass Al Qaida (AQI, ISI, IS) und andere Extremisten den Aufstand in Syrien anführten. Dadurch sei „die Chance der Schaffung eines ‚Salafisten-Hoheits-Gebiets‘ in Ost-Syrien“ entstanden. Das sei genau das, was der Westen und seine Verbündeten am Golf ‚wollten‘, um das syrische Regime vom schiitischen Irak und Iran abzuschneiden. „Der ISI könne dadurch zusammen mit anderen Terror-Organisationen im Irak und Syrien einen ‚islamischen Staat‘ ausrufen.“

Wumm!! Der detaillierte und schonungslose Geheim-Bericht der Defence Intelligence Agency (DIA) wurde vor einer Woche auf Anordnung eines US-Gerichts veröffentlicht. Er war seinerzeit auch dem Nationalen Sicherheitsrat vorgelegt worden. Dessen Vorsitzender heißt Barack Obama. Er wird regelmäßig über die Erkenntnisse der Geheimdienste informiert.

Der Inhalt des Geheimdokuments verschlägt einem die Sprache. Ein Friedens-Nobelpreisträger als Terror-Pate! Der Westen an der Seite des internationalen Terrorismus! Als wissentlicher Förderer des internationalen Terrorismus! Des ISI! Das ist die bittere Realität.

Das Dokument ist eine Sensation und ein politischer Skandal. Ein terroristisches Watergate. Obama und der Westen wussten früh, wer in Syrien wirklich kämpft und welche weltweite terroristische Gefahr aus ihrer Politik erwuchs. Während sie der Welt das übliche Märchen erzählten, sie kämpften für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, unterstützten sie gezielt terroristische Organisationen.

Ein salafistischer Terrorstaat in Ost-Syrien war ihnen nicht nur egal. Sie ‚wollten‘ ihn. Sie nahmen zusätzlich bewusst in Kauf, dass der ISI einen islamistischen Terrorstaat gründen konnte, der Teile des Irak umfasste. Der DIA-Bericht ist in diesem Punkt unmissverständlich.

Deshalb planen die USA zur Zeit auch nicht, den ‚Islamischen Staat‘ völlig auszuschalten. Selbst wenn sie wüssten wie. Sie brauchen den IS noch. Iran würde ihnen sonst zu stark. So kämpfen sie mit angezogener Handbremse.

Wetten, dass die westlichen Politiker und die Mainstream-Medien alles tun werden, um diese Perversion der offiziellen westlichen Anti-Terrorpolitik herunterzuspielen oder totzuschweigen? Die DIA-Analyse ist der Offenbarungseid einer abenteuerlichen und leider auch kriminellen Strategie. Obama und der Westen als vom US-Geheimdienst überführte Terrorpaten – das ist schwer zu verdauen.

Euer JT

HIER DIE WICHTIGSTEN AUSZÜGE AUS DER DIA-ANALYSE VOM 12. AUGUST 2012. Veröffentlicht durch Judicial Watch am 18.5. 2015. Freie Übersetzung:

„DIE ALLGEMEINE LAGE [IN SYRIEN]:

Die Ereignisse nehmen ganz klar konfessionelle Züge an.

Die Salafisten, die Muslimbruderschaft und ‚Al Qaida im Irak‘ [AQI, ISI, Jabbat Al Nusra] sind die Hauptkräfte, die den Aufstand anführen.

Der Westen, die Golfstaaten und die Türkei unterstützen die Opposition, während Russland, China und Iran das Regime unterstützen.

Al Qaida im Irak unterstützte die syrische Opposition von Anfang an [!] – ideologisch und über die Medien. Und führte unter dem Namen Jaish Al Nusra [sic] in mehreren syrischen Städten [militärische] Operationen durch.

PROGNOSEN ÜBER DIE ENTWICKLUNG DER KRISE:

Das Regime wird überleben und weiter Kontrolle über syrisches Gebiet besitzen.

Die aktuellen Ereignisse werden sich zu einem Stellvertreter-Krieg entwickeln: Mit der Unterstützung von Russland, China und Iran kontrolliert das Regime [seine] Einflussregionen entlang der Küstengegenden (Tartus und Latakia) und verteidigt Homs.

Auf der anderen Seite versuchen die Oppositionskräfte die östlichen Gebiete (Hasaka und Deir ez-Zor), angrenzend an die westlichen irakischen Provinzen (Mosul und Anbar), zusätzlich zu den an die Türkei grenzenden Gebiete zu kontrollieren. Westliche Länder, die Golfstaaten und die Türkei unterstützen dieses Bestreben.

AUSWIRKUNGEN AUF DEN IRAK:

Wenn die Situation sich wie beschrieben entwickelt, entsteht die Möglichkeit der ETABLIERUNG EINES ERKLÄRTEN ODER NICHT ERKLÄRTEN SALAFISTEN-HOHEITSGEBIETS IN OST-SYRIEN. DAS IST GENAU DAS, WAS DIE MÄCHTE, DIE DIE OPPOSITION UNTERSTÜTZEN, WOLLEN. Sie wollen das syrische Regime isolieren, da es für die schiitische Expansion (im Irak und Iran) als strategisch bedeutsam gilt.

Dies schafft ideale Voraussetzungen für die Rückkehr von ‚Al Qaida im Irak‘ [AQI, ISI] in ihre früheren Enklaven in Mosul und Ramadi. Und einen neuen Impuls, den Jihad der irakischen und syrischen Sunniten sowie der übrigen Sunniten der arabischen Welt gegen die ‚Abtrünnigen‘ – das was als Feind wahrgenommen wird – zu vereinigen. Der ISI könnte, durch seinen Zusammenschluss mit anderen Terror-Organisationen im Irak und Syrien, auch einen ‚islamischen Staat‘ ausrufen…

Erneute Förderung der Einreise von Terrorzellen aus der ganzen arabischen Welt in die irakische Arena.“
[Der Text danach wird immer noch geheim gehalten]

HIER DAS ORIGINALDOKUMENT:
http://www.judicialwatch.org/…/Pg.-291-Pgs.-287-293-JW-v-DO…

UND SO INTERPRETIERT JUDICIAL WATCH, WELCHE AUF HERAUSGABE DES DOKUMENTS GEKLAGT HATTE, DESSEN INHALT:

„Another DIA report, written in August 2012 (the same time period the U.S. was monitoring weapons flows from Libya to Syria), said that the opposition in Syria was driven by al Qaeda and other extremist Muslim groups: “the Salafist, the Muslim Brotherhood, and AQI are the major forces driving the insurgency in Syria.” The growing sectarian direction of the war was predicted to have dire consequences for Iraq, which included the “grave danger” of the rise of ISIS:

The deterioration of the situation has dire consequences on the Iraqi situation and are as follows:

This creates the ideal atmosphere for AQI [al Qaeda Iraq] to return to its old pockets in Mosul and Ramadi, and will provide a renewed momentum under the presumption of unifying the jihad among Sunni Iraq and Syria, and the rest of the Sunnis in the Arab world against what it considers one enemy, the dissenters. ISI could also declare an Islamic state through its union with other terrorist organizations in Iraq and Syria, which will create grave danger in regards to unifying Iraq and the protection of its territory.

Some of the “dire consequences” are blacked out but the DIA presciently warned one such consequence would be the “renewing facilitation of terrorist elements from all over the Arab world entering into Iraqi Arena.”

Jürgen Todenhöfer: Offener Brief an den Kalifen des IS (Abu Bakr al Baghdadi)

Abu Bakr al Baghdadi

OFFENER BRIEF AN DEN KALIFEN DES „ISLAMISCHEN STAATS“
Wie höflich oder distanziert darf ein solcher Brief sein? Mahatma Gandhi schrieb 1939, einen Monat vor Kriegsbeginn, „im Namen der Menschlichkeit“ an Adolf Hitler. Das Schreiben begann mit „Lieber Freund“ und endete mit „Ihr ehrlicher Freund M.K. Gandhi“. So freundlich konnte ich nicht sein. Aber unhöflich wollte ich auch nicht sein. So schrieb ich:
Sehr geehrter Kalif Ibrahim Awwad, Abu Bakr Al Baghdadi!
Als Erstes bedanke ich mich für die korrekte Einhaltung Ihrer Sicherheitsgarantie während unseres Aufenthalts im „Islamischen Staat“. Sie sollten häufiger freie Publizisten aus aller Welt einladen, statt Journalisten hinrichten zu lassen.
Nach Untersuchungen dreier US-amerikanischer und einer irakischen Universität hat allein der völkerrechtswidrige Irakkrieg George W. Bushs mindestens eine halbe Million Menschen getötet. Die angesehene Organisation „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW)“ geht in ihrer jüngsten Veröffentlichung sogar von 1 Million Toten aus. Ich kann jeden Araber verstehen, der sich der seit Jahrhunderten nicht endenden militärischen Interventionspolitik des Westens widersetzt. Ich bin nicht blind gegenüber dem Unrecht des Westens.
Sie haben in Syrien und im Irak einen militärisch teilweise ungewöhnlich erfolgreichen Feldzug geführt, den niemand für möglich gehalten hätte. Obwohl auch Sie erleben werden, wie launisch das Kriegsglück ist. Die Methoden, die Ihre Organisation allerdings bei ihren kriegerischen Aktionen anwendet, sind nach den Geboten des Koran unislamisch und kontraproduktiv. Sie schaden der gesamten muslimischen Welt. Vor allem dem Islam, in dessen Namen Sie zu kämpfen vorgeben.
Terror hat mit Islam so wenig zu tun wie Vergewaltigung mit Liebe. Sie und Ihre Kämpfer sind deshalb auch keine „Gotteskrieger“. Wenn es so etwas überhaupt gibt. Vielleicht wollen Sie das auch gar nicht sein. Der Begriff stammt ja aus der Zeit der Kreuzzüge und ist „christlich“. Ich habe den Koran mehrfach mit großem Gewinn gelesen. Den Geist der Brutalität, den Sie und Ihre Kämpfer bewusst verbreiten, habe ich darin nicht gefunden. Es sei denn, man reißt die Darstellungen der Angriffskriege der Mekkaner gegen das militärisch unterlegene Medina Mohammeds in den Jahren 623 bis 630 aus ihrem geschichtlichen Zusammenhang. Die Feinde des Islam machen das gerne.
Die Mythen und geschichtlichen Passagen des Alten Testaments beschreiben übrigens viel blutigere Kriege als der Koran. Der jüdische Evolutionsforscher Steven Pinker nennt daher das Alte Testament ein „einzig langes Loblied der Gewalt“. Dennoch sind diese Schlachten-Beschreibungen nur für Ignoranten der Wesenskern des Alten Testaments. Das Alte Testament ist ein Buch der Gerechtigkeit und Nächstenliebe. Wie der Koran.
Der Kerngedanke des Islam, sein für die damalige Zeit revolutionärer Aufruf zu Gerechtigkeit, Gleichheit und Barmherzigkeit, scheint Ihnen leider fremd zu sein. Obwohl diese zentrale Botschaft den Koran wie ein roter Faden durchzieht.
Kein Wort taucht im Koran als Beschreibung Gottes häufiger auf als das Wort Barmherzigkeit. 113 der 114 Suren des Koran beginnen mit dem Satz „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“. Von nichts ist Ihre Kriegsführung allerdings weiter entfernt als von Barmherzigkeit. Sie führen Ihre Feldzüge zur Ausdehnung des „Islamischen Staats“ in der Tradition der unchristlichen Gewaltorgien des Mittelalters sowie der Horden Dschingis Khans und Pol Pots. Sie planen außerdem ganz konkret die größte „religiöse Säuberungsaktion“ der Geschichte, die Tötung von Hunderten Millionen „Ungläubigen und Abtrünnigen“. Immer wieder frage ich mich, wo das im Islam geschrieben steht.
1. Im Islam gibt es keinen Zwang in Glaubensfragen (Sure 2 Vers, 256). Sie aber lassen Menschen bestialisch ermorden, nur weil sie Schiiten, Alawiten, Jesiden oder demokratiefreundliche Sunniten sind. Es sei denn, sie konvertieren freiwillig zu Ihrer gnadenlosen Ideologie. Das heißt vor ihrer Eroberung. Religiöse Toleranz war über Jahrhunderte eine der meist gerühmten Tugenden islamischer Herrscher. Wo, sehr geehrter Kalif, ist Ihre Toleranz?
2. Im Islam gibt es ein klares Verbot von Angriffskriegen (z. B. in Sure 22, Vers 39). Der Prophet hat nie Angriffskriege geführt. Er wurde immer nur angegriffen – von den militärisch weit überlegenen, andersgläubigen Mekkanern. Sie allerdings, Herr Kalif, überfallen hemmungslos ganze Regionen, Städte und Dörfer, die Ihnen nichts getan haben.
3. Im Islam ist die Tötung von Zivilisten, Frauen, Kindern und alten Menschen verboten. An mehreren Stellen des Koran wird das unmissverständlich zum Ausdruck gebracht. Ihre Anhänger aber richten unschuldige Menschen auf widerlichste Art und Weise hin. Ja, sie vergewaltigen Frauen, eine Abscheulichkeit, die der Koran aufs schärfste verurteilt. (Sure 24, Vers 33). Das soll islamisch sein?
4. Im Islam ist die Zerstörung religiöser Stätten untersagt (Sure 22, Vers 40). Sie aber lassen Kirchen, Synagogen, schiitische, ja sogar sunnitische Moscheen zerstören und schänden. Auch das ist vollkommen antiislamisch.
Die Liste Ihrer fast demonstrativen Verstöße gegen den Koran ließe sich beliebig verlängern. Im Grunde ist bis auf Äußerlichkeiten alles, was Sie tun, antiislamisch, ein Gegenprogramm zum Islam.
Ich bin Christ. Meine Religion kennt durch das Johannes-Evangelium die Figur des „Anti-Christen“. Durch Ihre Taten und Ihre Existenz lerne ich, dass es offenbar auch die Figur des „Anti-Muslims“ gibt. Dass dieser Anti-Muslim sich „Kalif des Islamischen Staats“ nennen würde, haben selbst die gelehrtesten Köpfe des Islam nicht vorausgesehen. Sie ahnten nicht, dass jemand die islamische Geschichte und die islamische Religion so grenzenlos verhöhnen könnte. Eigentlich müssten Sie Ihre eroberten Gebiete in „Anti-Islamischer Staat – AIS“, umbenennen.
Was Sie sagen und tun ist nicht nur ein Gegenprogramm zum Islam, sondern auch zum Wirken des Propheten. Mohammed war barmherzig, Sie sind erbarmungslos. Mohammed war ein nach vorne blickender Revolutionär. Sie sind ein rückwärts gewandter Reaktionär. Zu unterstellen, dass Mohammed, einer der dynamischsten Reformer der Geschichte, 1400 Jahre nach seinem Tod noch immer nach den Sitten und Bräuchen des Altertums leben würde, ist absurd. Große Revolutionäre pflegen sich nicht 1400 Jahre auf ihren Erfolgen auszuruhen. Sie, Abu Bakr Al Baghdadi, mögen ein beachtlicher Feldherr sein. Ein Reformer, ein Mann Gottes, des „Allerbarmers und Barmherzigen“, sind Sie nicht.
Viele Terrororganisationen vor dem IS haben gegen den Islam verstoßen und ihn als Maske für unislamische Taten missbraucht. Auch manch verblendeter Herrscher und Religionsgelehrter hat sich diese große Religion zurechtgebogen. In der Geschichte des Christentums hat es vergleichbare Fälle gegeben. Viele teuflische Taten wurden im Namen des Christentums begangen. Auch Sie, Herr Al Baghdadi, predigen in Wirklichkeit nicht den Islam, sondern Ihre Privatreligion und Ihre Privat-Shariah.
Ihre Anhänger verweisen darauf, dass George W. Bush erheblich mehr Menschen umgebracht habe als Sie. In einem völkerrechtswidrigen Krieg sogar. Das dürfte zurzeit noch stimmen, zumindest wenn Ihr Vormarsch nicht bald gestoppt wird. Ich habe mehrfach gefordert, dass sich die Verantwortlichen des Irakkriegs vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten müssten. Auch Bush und Blair.
Doch Sie unterscheiden sich von Bush vor allem in 4 Punkten:
1. Der damalige US-Präsident, der schwerste Kriegsverbrechen begangen hat, hat sich der Folterungen und Demütigungen in Abu Ghraib, Guantanamo oder Bagram wenigstens nicht öffentlich gerühmt und gebrüstet. Auch nicht der von GI’s außerhalb von Kampfhandlungen begangenen schändlichen Morde und Vergewaltigungen. Er hat diese beschämenden Taten nicht zum Mittelpunkt seines Programms erhoben. Auch nicht zum Mittelpunkt des Christentums. Sieht man von einigen rhetorischen Entgleisungen zu Beginn des Krieges ab, als er sich auf einen „Kreuzzug“ begeben wollte und sich zeitweise für Jesaja hielt.
2. Er hat nie wie Sie absichtlich, gezielt, genussvoll inszeniert und zelebriert, unschuldige Zivilisten ermordet. Journalisten, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen usw.
3. Er hat nie eine religiöse „Säuberung“ geplant wie Sie, der Sie die Auslöschung aller nicht abrahamitischen Religionen anstreben. Eine Auslöschung, bei der viele hundert Millionen Menschen sterben müssten. Sie planen den größten Völkermord aller Zeiten, der alles in den Schatten stellt, was die Menschheit bisher erlitten hat. Sie missbrauchen dafür den Namen des Islam! Das ist Gotteslästerung.
4. Gleichzeitig haben Sie offiziell die Sklaverei wieder eingeführt, die die Menschheit in mühsamen Kämpfen inzwischen überwunden hatte. Sie existierte einst in allen Kulturen. Doch alle haben diese Herabstufung von Menschen zur Ware, zu Wesen zwischen Mensch und Tier, längst beschämt abgeschafft. Die Juden, die Christen, die muslimische Welt. Auch wenn heimlich noch immer viele Menschen in krimineller Weise als Sklaven und Leibeigene behandelt werden. Mohammed hatte, anders als Sie, immer nach Wegen gesucht, wie er Sklaven zu vollberechtigten Bürgern machen konnte. So machte er Belal, einen schwarzen Ex-Sklaven, zum ersten Gebetsrufer des Islam.
Sie richten Menschen öffentlich hin, um deren Heimatländer zu militärischen Gegenschlägen zu provozieren. Durch die wieder vor allem Muslime sterben werden. Sie wollen Krieg. So wie Bin Laden die USA durch 9/11 in die afghanische Kriegsfalle lockte. Ist das islamisch?
Ich kannte den amerikanischen Journalisten James Foley aus den revolutionären Tagen von Bengasi persönlich. Er war ein liebenswerter, in sich gekehrter Kollege. Wenige Tage, nachdem ich mit Freunden in einen militärischen Hinterhalt Gaddafis geraten war, war er von dessen Leuten festgenommen worden. Der an Brutalität schwer zu übertreffende Gaddafi hat ihn tausendmal besser behandelt als Ihre brutalen Kämpfer.
(Anmerkung: Hier folgt ein Appell an die ausländischen Kämpfer des IS, über den ich in den nächsten Tagen berichten werde).
In Gaza fragte ich während des Krieges im Sommer 2014 einen Palästinenser, der fast alles verloren hatte, was er vom IS halte. Er schaute mich fassungslos an und fragte: „Müssen wir jetzt auch noch dafür den Kopf hinhalten.“
Sehr geehrter Kalif Ibrahim, ich wünsche Ihnen, dass sich die verfeindeten Parteien im Irak und in Syrien endlich einigen und dadurch Ihren militärischen Aktionen den Nährboden entziehen. Möge Allah Sie stoppen!
Dem wahren Islam und den 1,6 Milliarden gemäßigten Muslimen aber wünsche ich viel Erfolg. Der tolerante Islam gehört nicht nur zu Deutschland, sondern auch zur Kultur unserer Welt.
Als Anlage füge ich zehn Passagen aus dem Koran bei, die dieses große Buch in meinen Augen besser charakterisieren als alles, was Sie in den letzten Jahren gesagt und getan haben. Sie sollten wenigstens einmal einen Blick darauf werfen, bevor die Geschichte über Sie hinweggeht.
Zehn Kernaussagen des Koran, die Sie nicht zu kennen scheinen:
1. Streitet nicht mit dem Volk der Schrift. Es sei denn auf beste Art und Weise. Sprecht: „Wir glauben an das, was zu uns und zu euch herab gesandt wurde. Unser Gott und euer Gott ist Einer.“ 29:46.
2. Wir glauben an Gott und an das, was uns und was Moses und Jesus gegeben wurde. Wir machen zwischen ihnen keinen Unterschied. 2:136. Es gibt keinen Zwang im Glauben. 2:256. Willst du die Menschen zwingen, Gläubige zu werden? 10:99.
3. Wenn Gott gewollt hätte, hätte er euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Er wollte euch jedoch auf die Probe stellen. Darum sollt ihr um die guten Dinge wetteifern. Zu Gott werdet ihr alle zurückkehren. Dann wird er euch kundtun, worüber ihr uneins wart. 5: 48. Diejenigen, die glauben – Muslime, Juden, Christen und Sabäer – werden ihren Lohn von Gott erhalten. 2:62.
4. Ihr sollt glauben und gute Werke tun! 25:70. Gott gebietet, gerecht zu handeln und uneigennützig Gutes zu tun. Er verbietet, was schändlich, abscheulich und gewalttätig ist. 16:90.
5. Wehrt das Böse durch das Gute ab! 13:22. Wetteifert miteinander in guten Werken. 2:148. Gott liebt diejenigen, die Gutes tun. 2:195. Seid gut zu den Eltern, den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Nachbar! Gott liebt nicht die Geizigen. 4:36. Was euch an Dingen gegeben wurde, ist nur für eine zeitweilige Nutznießung während eures irdischen Lebens. 28:60. Dem, der eine gute Tat vollbringt, soll sie zehnfach vergolten werden. Derjenige, der eine böse Tat verübt, soll nur das Gleiche als Lohn erhalten. 6:160.
6. Diener Gottes sind diejenigen, die sanftmütig auf der Erde schreiten. Wenn Unwissende sie ansprechen, sprechen sie friedlich zu ihnen. 25:63. Dämpfe deine Stimme. Die widerwärtigste der Stimmen ist die Stimme des Esels. 31:19.
7. Wer Gutes tut, tut es für seine eigene Seele. Wer Unrecht begeht, begeht es gegen sich selbst. 45:15.
8. Richtet auf Erden kein Unheil an. 2:60. Stiftet Frieden zwischen den Menschen. 2:224.
9. Die Vergeltung für eine Übeltat soll ein Übel gleichen Ausmaßes sein. Wer aber vergibt, ruht sicher bei Gott. 42:40. Versöhnung ist gut. 4:128.
10. Und hier die Sure, gegen die Sie sich am meisten versündigt haben: Wenn jemand einen Menschen tötet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit getötet. Und wenn jemand einem Menschen das Leben rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet. 5: 32. Ihr sollt niemanden töten, dessen Leben Gott unverletzlich gemacht hat. 6:151.
Danach lohnt es sich zu leben. Aber nicht nach Ihrer gnadenlosen anti-islamischen Ideologie.
Nochmals danke für Ihre Gastfreundschaft! Und dass Sie mir die Gelegenheit gegeben haben, das Land, das Sie beherrschen, relativ frei zu besuchen. Ich hätte gerne einmal einen wirklich islamischen Staat besucht. Er hätte sich ruhig gegen westliche Ungerechtigkeiten und Anmaßungen zur Wehr setzen können. Dass ich am Ende nur einen anti-islamischen Staat kennenlernte, bedauere ich sehr.
Hochachtungsvoll
Ihr Jürgen Todenhöfer

Die bisher nicht gestellten Fragen zum IS – RT Deutsch Interview mit Jürgen Todenhöfer

Veröffentlicht am 07.02.2015

RT Deutsch Reporter Nicolaj Gericke hat den Publizisten Jürgen Todenhöfer zu seinem Aufenthalt beim Islamischen Staat interviewt. Das 37-Minuten Interview ist das längste, welches Todenhöfer bisher zu seinen Erfahrungen mit dem IS gegeben hat und beleuchtet bis dato nicht oder nur sehr oberflächlich angesprochene Aspekte zum IS.

J. Todenhöfer: „Islamischer Staat“ – 7 Eindrücke einer schwierigen Reise

Quelle: http://juergentodenhoefer.de/7-eindruecke-einer-schwierigen-reise/

Dezember 2014

Liebe Freunde, nur langsam fällt der Stress der Reise in den ‚Islamischen Staat‘ von uns ab. Mein Sohn Frederic hat mehrere Kilo abgenommen. Natürlich wusste ich, dass das Risiko hoch war. Nicht nur wegen des IS. Auch wegen der amerikanischen und syrischen Bombenangriffe. In Mosul kreisten über uns mehrfach tieffliegende US-Bomber. Unsere ‚Wohnung‘ im syrischen Raqqa wurde während unseres Aufenthalts im irakischen Mosul von einer syrischen Bombe weitgehend zerstört. Wir mussten unsere letzte Nacht in Raqqa in einer ausgebombten, von Glassplittern übersäten Wohnung verbringen.

Doch ohne Risiko kommt man der Wahrheit nur schwer auf die Spur. Und ich brauchte nun einmal für ein geplantes Buch über den IS authentisches Material. Das aber gibt es nur vor Ort. Ich habe das bei all meinen Büchern so gemacht. Immer bin ich in die Krisenländer gereist. Außerdem hatte ich ja diese Sicherheitsgarantie des ‚Kalifats‘. Nur leider keine Garantie, dass sie echt war. Alle meine Freunde und Familienmitglieder haben ihre Echtheit bezweifelt und versucht, mich von der Reise abzuhalten. Ich höre in solchen Situationen immer auf meine innere Stimme.

Die Garantie war echt. Und der IS hat sich bei unserem Besuch in Mosul und Raqqa daran gehalten. Allerdings wurden wir meist vom Geheimdienst überwacht und mussten Mobiltelefone und Computer abgeben. Am Ende unserer Reise wurden ferner alle Bilder und Fotos kontrolliert. Von rund 800 Fotos wurden – u.a. zum Schutz der Angehörigen ausländischer Kämpfer – 9 Fotos gelöscht. Zensur nennt man das.

Es kam auch mehrfach zu scharfen und lautstarken Auseinandersetzungen zwischen mir und dem IS über die Gestaltung der Reise. Es ist nicht ganz einfach mit schwer bewaffneten IS-Kämpfern zu streiten. Zweimal stand die Reise kurz vor dem Abbruch. Angesichts der täglichen Lebensgefahr für alle Beteiligten war die Behandlung zwar oft gereizt, insgesamt jedoch korrekt.

Hier meine 7 stärksten Eindrücke in Kurzform:

1.) DER WESTEN UNTERSCHÄTZT DIE DIMENSION DER IS-GEFAHR DRAMATISCH. Die IS-Kämpfer sind erheblich cleverer und gefährlicher, als unsere Politiker annehmen. Im ‚Islamischen Staat‘ herrscht eine fast rauschartige Begeisterung und Siegeszuversicht, wie ich sie in Kriegsgebieten noch nicht erlebt habe. Die IS-Kämpfer sind überzeugt, mit ihrem totalitären Glauben und ihrer demonstrativen Brutalität Berge versetzen zu können. In Mosul haben weniger als 400 IS-Kämpfer 25.000 hochmodern ausgerüstete irakische Soldaten und Milizen in die Flucht geschlagen. Der IS hat in wenigen Monaten ein Staatsgebiet erobert, das größer ist als Großbritannien. Al Qaida ist daneben ein Zwerg.

Gelegentliche Geländeverluste oder -wechsel scheinen den IS wenig zu interessieren. Auch wenn sie im Augenblick von einigen Medien hochgespielt werden. Sie seien im Guerilla-Krieg normal.

2.) DER ZUSTROM NEUER KÄMPFER ZUM IS WÄCHST JEDEN TAG. Ich verbrachte zwei Tage in einem Aufnahme-Lager des IS nahe der türkischen Grenze. An beiden Tagen kamen jedes Mal über 50 Kämpfer aus aller Welt an. Nicht etwa nur junge Männer, die in ihren Heimatländern gescheitert waren. Auch viele erfolgreiche, euphorisch gestimmte junge Leute aus den USA, England, Schweden, Russland, Frankreich, Deutschland usw. Einer hatte erst vor wenigen Wochen sein juristisches Staatsexamen bestanden und war gerade als Anwalt bei Gericht zugelassen worden. Er aber wollte lieber im ‚Islamischen Staat‘ kämpfen.

3.) DER ‚ISLAMISCHE STAAT‘ SCHEINT – SOWEIT ICH DAS NACH 10 TAGEN BEURTEILEN KANN – WIE ANDERE TOTALITÄRE LÄNDER DER REGION ALS STAAT ZU FUNKTIONIEREN. Das gilt vor allem für den Bereich der inneren Sicherheit und den Bereich der Sozialfürsorge – auch wenn vieles nicht unseren westlichen und schon gar nicht meinen Vorstellungen entspricht. Zumindest die sunnitische Bevölkerung des irakischen Teils des ‚Islamischen Staats‘ scheint den neuen Staat inzwischen widerstandslos hinzunehmen. Weil sie ihn der vorher herrschenden Diskriminierung und Unterdrückung durch das Maliki-Regime in Bagdad vorzieht. Allerdings leben in Mosul nach der Flucht aller Christen, Schiiten und Jesiden und unzähligen Hinrichtungen nur noch Sunniten.

4.) ZIEL DES IS IST NICHT NUR DIE EROBERUNG DES MITTLEREN OSTENS UND EINES TAGES DER ÜBRIGEN WELT, SONDERN DIE GRÖSSTE ‚RELIGIÖSE SÄUBERUNG‘ IN DER GESCHICHTE DER MENSCHHEIT. Der IS will mit Ausnahme der sogenannten Buchreligionen – also des „IS-Islams“, des Judentums und des Christentums – alle Nichtgläubigen und Abtrünnigen töten und ihre Frauen und Kinder versklaven. Alle Schiiten, Jesiden, Hindus, Atheisten und Polytheisten sollen sterben. Hunderte von Millionen Menschen sollen im Zuge dieser religiösen ‚Reinigung‘ eliminiert werden.

Auch alle gemäßigten Muslime, die die Demokratie bejahen, sollen getötet werden. Weil sie damit aus der Sicht des IS menschliche Gesetze über die Gesetze Gottes stellen. Das gilt – nach einer erfolgreichen Eroberung – auch für die demokratisch gesinnten Muslime der westlichen Welt.

Die einzige Chance dieser ‚Ungläubigen‘, dem Tod zu entrinnen, besteht in freiwilliger Reue und freiwilliger Umkehr zum ‚wahren Islam‘. Den angeblich nur der IS vertritt. Und das nur, solange ihre Länder nicht erobert sind.

Juden und Christen sollen als Buchreligionen toleriert werden, müssen aber eine fixe Schutzsteuer von einigen hundert Dollar pro Jahr zahlen. Muslime haben die Zakatsteuer zu zahlen, die bei wohlhabenden Muslimen höher, bei armen Muslimen niedriger sein kann.

Ich brauche nicht zu betonen, dass es in keinem dieser Punkte Übereinstimmung zwischen mir und dem IS gab. Und dass ich das unzählige Male sehr deutlich gemacht habe.

5.) AUS MEINER SICHT IST DER IS EINE 1-PROZENT-BEWEGUNG MIT DER WIRKUNG EINES NUKLEAREN TSUNAMIS. Der IS predigt einen Islam, den 99 Prozent der 1,6 Milliarden Muslime unserer Welt ablehnen. Für mich als Christen, der den Koran mehrfach gelesen hat, ist nicht nachvollziehbar, was die Lehren des IS mit dem Islam zu tun haben sollen. Ich habe bei der Lektüre des Koran vor allem einen barmherzigen Islam kennengelernt. 113 von 114 Suren beginnen mit den Worten: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers und Barmherzigen“. Von dieser Barmherzigkeit habe ich beim IS nichts verspürt.

6.) MIT BOMBEN UND RAKETEN IST DER IS NICHT ZU BESIEGEN. Die Drei-Millionenstadt Mosul beispielsweise wird von etwa 5.000 IS-Kämpfern beherrscht. Wer sie mit Bomben ausschalten will, muss ganz Mosul in Schutt und Asche legen und zigtausende Zivilisten töten. Bombardierungen waren und sind im Mittleren Osten stets Terrorzucht-Programme. Siehe IS! Auch er ist ein Kind von George W. Bushs völkerrechtswidrigem Irakkrieg.

NUR DIE GEMÄßIGTEN SUNNITISCHEN ARABER KÖNNEN DEN IS STOPPEN, NICHT DER WESTEN. So wie sie es 2007 schon einmal getan haben. Damals vertrieben sie den ‚Islamischen Staat im Irak‘ (ISI), die Vorgänger-Organisation des IS. Doch der damalige ISI war viel schwächer als der heutige IS.

Die gemäßigten irakischen Sunniten würden sich dem IS allerdings nur entgegenstellen, wenn sie wieder voll in die irakische Gesellschaft integriert würden, aus der die Amerikaner und die schiitischen Iraker sie nach dem Angriffskrieg der USA auf den Irak 2003 vertrieben haben. Danach sieht es zur Zeit nicht aus. Dennoch ist dies die einzig denkbare Lösung, um den IS zu stoppen.

Auch in Syrien gibt es Lösungen. Allerdings müsste der Westen hierzu seine völlig unrealistische Lageeinschätzung korrigieren. Er hat sich in Syrien schlicht und ergreifend verrannt.

7.) IM WESTEN WIRD VIEL ÜBER EINE TERRORGEFAHR DURCH ZURÜCKGEKEHRTE IS-KÄMPFER SPEKULIERT. Auch ich kann und werde diese Gefahr nie ausschließen. Innerhalb des ‚Islamischen Staates‘ gelten die Rückkehrer allerdings als Verlierer, „die das Leben im ‚Islamischen Staat‘ nicht geschafft haben“. Sie sind deshalb wohl nicht die Hauptgefahr, obwohl es in Brüssel einen Anschlag durch einen Rückkehrer gab. Eine größere Gefahr könnte eher von noch nicht ausgereisten IS-Sympathisanten ausgehen.

Niemand sollte in Deutschland Terrorgefahren verharmlosen. Aber man sollte sie auch nicht übertreiben. Immerhin ist in Deutschland noch nie ein Deutscher von Islamisten getötet worden. Aber viele deutsche Muslime durch deutsche Rechtsradikale. Gruppen wie Pegida stellen die Fakten in Deutschland auf den Kopf. Sie betreiben das Geschäft des IS, der großes Interesse an einer Eskalation zwischen Muslimen und Nichtmuslimen in Deutschland hat. Der IS hat mir das mehrfach bestätigt.

Aus meiner Sicht ist der IS zur Zeit die größte Bedrohung des Weltfriedens seit dem Kalten Krieg. Wir bezahlen jetzt den Preis für den an Torheit kaum zu überbietenden Überfall George W. Bushs auf den Irak. Der Westen steht dieser Bedrohung bisher konzeptionslos gegenüber.

Euer JT

Jürgen Todenhöfer: Meine 10 Tage im „Islamischen Staat“

Hier ein Beitrag, dem eine Meldung auf Facebook zugrunde liegt.

Am 16. Dezember 2014 schrieb Jürgen Todenhöfer Folgendes:

„Liebe Freunde, heute Nachmittag bin ich aus dem ‚Islamischen Staat‘ zurückgekehrt. Die erforderlichen Sicherheitsgarantien hatte ich in monatelangen Skype-Gesprächen mit der Führung des ‚Kalifats‘ ausgehandelt. Angeblich war ich der erste westliche Publizist der Welt, der den „Islamischen Staat“ besuchen konnte. Dem IS war bekannt, dass ich mich mehrfach sehr kritisch zum „Islamischen Staat“ geäußert hatte. Hier auf Facebook und in der deutschen Presse. Ich habe die Gefahren dieser Reise daher nie unterschätzt.

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Die Gespräche und Erlebnisse im irakischen und syrischen Teil des „Islamischen States“ waren dramatisch. Die Sicherheitslage auch. Darüber mehr in den nächsten Tagen. Als ich gestern Abend mit meinem Gepäck in der Nähe eines türkischen Schießturms zu Fuß über einen Schmugglerpfad in die Türkei rannte, fiel eine gefühlte Last von 1000 Tonnen von meinen Schultern. Ich bin sehr glücklich, dass ich wieder heil in Deutschland bin. Meine Familie auch. Es hat viele Tränen gegeben.

Ich habe diese schwierige Reise nicht unternommen, weil Papst Franziskus kürzlich gefordert hatte, man müsse auch mit dem IS sprechen. Sondern weil ich seit über 50 Jahren immer mit allen Seiten spreche. In Syrien sprach ich – von einigen Schreibtischstrategen heftig kritisiert – mit Präsident Assad, aber auch mit Al Qaida und der FSA. In Afghanistan mehrfach mit Präsident Karsai und mit Führern der Taliban. Und während des Irakkrieges mit der schiitischen Regierung des Irak und mit dem sunnitischen Widerstand.

Die Katastrophen, in die die USA in Afghanistan, im Irak, in Libyen und in anderen Ländern hineingeraten sind, sind auch deshalb entstanden, weil die USA nicht mit ihren Gegnern sprechen wollten und sie oft überhaupt nicht kannten. Unwissenheit darf jedoch nicht das traurige Markenzeichen der westlichen Mittel-Ost-Politik bleiben. Wer seine Feinde besiegen will, sollte sie kennen. Der IS ist mächtiger und gefährlicher als viele westliche Politiker ahnen.

In den nächsten Tagen werde ich Euch nähere Einzelheiten meiner zehntägigen Recherchen im „Islamischen Staat“ mitteilen. Jetzt aber bin ich erst einmal hundemüde.“