Friedensgedanken

Diejenigen, die sich darüber im Klaren sind, dass die Entwicklung zu Frieden ein langer Prozess ist, sind wohl näher an der Wahrheit, als diejenigen, die glauben, dass es kurzer, brachialer Sprünge bedarf, um friedliche Lösungen zu bewerkstelligen.

Jeder noch so kleine Schritt auf dem Weg ist wichtig und das Wichtigste ist, überhaupt erst einmal anzufangen.
Wenn ich mich mit Leuten unterhalte und danach frage, welche Möglichkeiten denn offen stehen, ein wenig mehr Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit in die Welt zu bringen, erstickt ein Gespräch bisweilen unter der Last der Ohnmachtsbekundungen. Da gibt es offenbar unangreifbare, mächtige Kräfte irgendwo da draußen, die für alles verantwortlich sind.
Dabei glaube ich nicht daran, dass das Gros meiner Gesprächspartner nur vor der Barriere von außen auferlegter Zwänge und eigener Hilflosigkeit scheut, sondern nicht selten schlicht um alltägliche Gewohnheiten und wohlbehüteten Status Quo bangt.
Noch lebt es sich doch recht passabel in diesem Land, wenn man einmal von denen absieht, die mit prekären Lebens- und Arbeitsverhältnissen zurechtkommen müssen. Diese, so schwingt es in manchen Gesprächen mit, gehören offenbar in eine andere Kategorie – nämlich die der Verlierer, der Erfolglosen, der Nichtsnutze, die sich selbst verschuldet dem Leistungsgedanken der Leistungsgesellschaft verweigern.
Warum sollte man – ohne direkt dazu gezwungen zu sein – seine Komfortzone verlassen und über eigene Verantwortung und Mitverantwortung nachdenken?

Was gehen mich Kriege an? Kriege werden – wie man neudeutsch zu sagen pflegt – gewissensberuhigend „ausgesourced“, also dorthin verlagert, wo eine direkte Konfrontation mit dem eigenen Gewissen vermieden wird.

Deutschland spielt tatsächlich eine zentrale Rolle in Europa und hat auch auf der Weltbühne ein nennenswertes Gewicht. Das gilt mittlerweile auch für Kriege. Unsere Lage ist strategisch günstig, die Menschen hier beweisen nach alter preußischer Tradition Fleiß und Gehorsam, deutsche Industrieprodukte – zunehmend auch die in olivgrün gehaltenen – erobern die letzten Winkel dieser Erde.

Alles zusammengenommen gute Voraussetzungen für diejenigen, die seit Jahren, global organisiert, an einer neuen Ordnung für IHRE Welt basteln.

Von wem spreche ich? Nicht von den Amerikanern, nicht von den Chinesen oder den Russen.

Ich spreche von einer Minderheit aus der Klasse der Superreichen und Super-Super-Reichen, die unabhängig von nationalen Grenzen und Regeln mithilfe eines außer Rand und Band geratenen Finanzsystems zu überbordendem Reichtum und verführerischer Macht gekommen sind.
Diese Klasse bezichtige ich, käufliche Staaten, käufliche Institutionen, käufliche Menschen und andere Ressourcen als Knüppel zur Durchsetzung ihrer globalen Ziele zu benutzen.
Dabei versammeln sie um sich einen Hofstaat an Helfern und Helfershelfern aus Politik, Wissenschaft, Militär, Medien und anderen Bereichen. Und das erinnert in erschreckender Weise an vergangene feudale Herrschaftlichkeit.

Nein, nicht diese Klasse ist das wirkliche Problem!
Die Probleme sind ein unkontrollierbares und missbrauchbares Finanzsystem und die Käuflichkeit, Bequemlichkeit und die Angst der Menschen vor der eigenen Freiheit.
Der Opfer-Täter-Therapeut Rüdiger Lenz hat das folgendermaßen auf den Punkt gebracht:
“Der Mensch hat vor Kriegen weniger Angst, als vor seiner eigenen Freiheit…”.

Wer sich mit Geld auskennt, der weiß, dass es symbolisch den entsprechenden Wert an Dingen oder Dienstleistungen darstellt und durch diese gedeckt sein muss.
Wenn sich Geld aus sich selbst vermehrt, ist irgendetwas faul. Das ist platt ausgedrückt „Beschiss“. Globale Macht aufgrund überdimensionalem Reichtum ist Betrug.

Tatsächlich hält das Spannungsfeld zwischen reich und arm die augenblickliche Form der Welt aber zusammen. Unser Finanzsystem immunisiert sich gegen Angriffe durch den Glauben der Menschen an das Glück durch großen Reichtum. Tendzin Gyatso, der 14. Dalai Lama sagt dazu:
“Heutzutage, in unserer materialistischen Welt, hat man die Menschen zu dem Glauben gebracht, dass Geld die absolute Quelle des Glücks sei. Infolgedessen fühlen sie sich niedergeschlagen, wenn sie nicht genug davon haben. Daher ist es wichtig, die Menschen wissen zu lassen, dass sie die Quelle von Zufriedenheit und Glück in sich selbst tragen und das ist es, was ihre natürlichen, inneren Werte nährt.”

Was denken Menschen über ihre super reichen Zeitgenossen? Da findet man Wut und Neid, aber auch ein gewisses Maß an Bewunderung und Respekt. Diese gegensätzlichen Haltungen heben sich gegenseitig auf und es passiert einfach – nichts! Fluch und Segen des Geldes gleichen sich aus. Oder anders ausgedrückt: Einer kann nur reich sein, wenn viele andere arm sind.

Dies gilt so lange, bis wir – jeder für sich – andere Werte und Maßstäbe für unser Denken und Handeln zulassen, als die, besser, größer, reicher, mächtiger und schöner zu sein, als der Nachbar.
Das gilt so lange, bis wir – jeder für sich – unsere Kooperationsbereitschaft wiederentdecken, anstatt unser Konkurrenzverhalten zu stärken.
Das gilt auch so lange, bis wir – jeder für sich – unseren Blick für Gemeinsamkeiten stärken, anstatt Unterschiede zu suchen.

Wer wirklich und wahrhaftig Veränderung auf dem Weg des Friedens herbeisehnt, der wird bei sich selbst beginnen und prüfen, wo er noch mit altem Denken verflochten ist, das seine Entwicklung hemmt.
Ich bin überzeugt: Der Hemmnisse gibt es viele! Gewohnheiten, Bequemlichkeiten. Veränderung – und seien die Ziele in der Vorstellung noch so verlockend – macht Angst. Und Angst blockiert.
Es ist an der Zeit bei uns selbst aufzuräumen, weil wir nur das nach außen tragen können, was wir selbst sind.

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